Gone with the Wind – Margaret Mitchell

Oh oh oh – 14 Days left / 10 posts to write!

Wenn das mal funktioniert…so langsam verwandelt sich mein anfänglicher Optimismus in berechtigte Zweifel, ob das bei meinem Tempo noch zu schaffen ist. Wie aber meine aktuelle Lieblingsfigur schon sagt: Aufgeben ist was für Feiglinge!

Gone_with_the_Wind_coverIn diesem Sinne:

Das sicherlich seitenreichste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe, war Gone with the Wind von Margaret Mitchell. Diesen Klassiker wollte ich schon ewig lesen, und als er dann eines Tages so verlockend auf dem Regal meiner Stadtbibliothek stand und mich anlachte, hab ich ihn einfach kurzerhand eingepackt.

Erwartet habe ich ehrlicherweise eine ziemliche Schnulze, die recht tränenlastig ein Geschichtsbild widergibt, das mittlerweile wahrscheinlich von den Historikern als überholt angesehen wird.
Bekommen habe ich einen unterhaltsamen Schmöker, der eine toughe Frau zeigt, die zwar bei denen, die es zulassen, permanent mit den manipulativsten Mitteln ihren Willen durchsetzt, jedoch trotz ihrer behüteten aber inkonsequenten Erziehung enorme Willenskraft und Stärke beweist, wenn das Leben schwierige Situationen für sie bereithält. Ok, das mit dem überholten Geschichstbild stimmt wohl, soweit ich das als Nichthistoriker beurteilen kann.

Zum Inhalt (den wahrscheinlich jeder mehr oder weniger schon kennt): Scarlett ist die älteste Tochter eines irischstämmigen Plantagenbesitzers in den Südstaaten Amerikas, Gerald O’Hara. Scarlett ist charmant, flirty, intelligent, eitel, egoistisch, berechnend – alles in allem eigentlich unausstehlich. Unabbringlich hat sie es sich in den Kopf gesetzt, die Frau des blassen und lebensfremden Träumers Ashley Wilkes zu werden, der auf der Nachbarplantage lebt. Der jedoch hat, obwohl er Scarlett umwirbt, seine Hand bereits seiner zarten und zerbrechlichen Cousine Melanie Wilkes versprochen, die er aufgrund ihres ähnlichen Wesens für eine geeignetere Ehefrau hält und heiratet sie auch. Was Scarlett allerdings nicht davon abhält, weiterhin um seine Liebe zu buhlen. Nicht aus aufrichtiger Hingabe und Seelenverwandtschaft, sondern eher nach dem Motto: Was ich nicht haben kann, will ich erst recht! Trotzig heiratet sie daraufhin Melanies Bruder Charles um Ashley eifersüchtig zu machen.

Darüber bricht aber der Bürgerkrieg herein und Ashley und Charles ziehen ganz selbstverständlich aus Gewissensgründen und einer Motivation der Ehrenhaftigkeit auf Seiten der Südstaatler in den Krieg. Ebenfalls dorthin, allerdings eher aus wirtschaftlichen Erwägungen, zieht es den Frauenhelden und halbseidenen Geschäftsmann Rhett Butler. Der ist der Einzige, der Scarlett als Frau so sieht, wie sie wirklich ist, mit all ihren Schwächen und Eitelkeiten und der ihr diese auch ständig vor  Augen führt und dementsprechend bei Scarlett auf eine Mischung aus Abneigung und geheimer Bewunderung stößt. Darin, dass er sich von Scarlett nichts vormachen lässt und Tacheles mit ihr redet, hat er mich übrigens stark an Mr. Knightley aus Emma erinnert, der dies ja auch als Einziger konsequent tut.

Die eposartige Südstaaten-Saga zieht sich nun über eine lange Zeitspanne und verschiedene Handlungsorte hinweg. Scarlett mit ihrem erstaunlichen Geschäftssinn gelingt es trotz der Ablehnung ihres snobbistischen Umfeldes, das kaufmännische Arbeit für jeden Gentleman und erst recht für eine Lady ablehnt,  den Härten und wirtschaftlichen Nöten des Krieges zu trotzen und so baut sie sich nach und nach eine unabhängige Stellung in ihrer Gesellschaft auf. Nachdem ihr erster Mann Charles stirbt, kaum dass sie ihn geheiratet hat und sie später auch ihren zweiten Mann Frank Kennedy verliert, kommt es sogar zu einer Ehe zwischen Rhett und Scarlett, die dieser auch aus wahrer Liebe eingeht, ihr dies aber nie eingesteht, da er befürchtet, bei der geringsten Schwäche seinerseits von ihr völlig vereinnahmt zu werden. Trotz ihrer Intelligenz und ihres rationalen Denkens gelingt es Scarlett nicht, die Wahrheit über ihr eigenes Wesen zu erkennen und sie setzt damit ihre einzig wahrhafte Liebe aufs Spiel. Zum Ende des Romans sag ich jetzt mal nix, obwohl ich glaube, dass die meisten wissen, wie die Geschichte endet. Viele werden wohl auch den Film gesehen haben mit Vivien Leigh und Clark Gable.

Was mich sehr überrascht hat, waren die starken Charakterdarstellungen, vor allem natürlich die von Scarlett und Rhett, die wie ich finde beide äußerst differenziert als runde Figuren realistisch gezeichnet sind und mich wahrscheinlich nicht zuletzt deswegen schnellstens für sich eingenommen haben. Jahaa, auch Scarlett, obwohl man das manchmal nicht glauben mag. Sie war schon oft richtig anstrengend und da hätte ich sie oft gerne geschüttelt. Vor allem dann, wenn sie sich selbst so im Weg steht, weil sie einfach nicht über ihren irischen Sturkopf hinwegkann. Da hat mir Rhett oft sehr leid getan, der ihr gegenüber zwar immer seine kühle und reservierte Fassade aufrecht erhält, aber dem Leser als mitfühlendem Beobachter Einblick in seine wahren Gefühle ihr gegenüber gewährt, wenn er sich beispielsweise Melanie Wilkes oder Scarlett’s Mammy anvertraut.

Insgesamt finde ich den Roman lesenswert, genau das Richtige für die hoffentlich geruhsame Zeit zwischen den Jahren, die man am liebsten bei Kerzenschein mit einem dicken Schmöker und einem heißen Getränk eingemummelt auf der Couch verbringt.

Wer noch etwas Überzeugungskraft benötigt, bevor er sich an den Wälzer begibt, der findet eine umfangreiche Leseprobe der englischen Ausgabe hier.

So – 14 Days left / 9 posts to write!🙂

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Gone with the Wind by Margaret Mitchell. Scribner, 2011. (75th Anniversary Edition)
Die Originalausgabe erschien am 30. Juni 1936 bei Macmillan Publishers, New York.

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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