Frankfurter Buchmesse 2012 – Das Blaue Sofa mit…

Anthony McCarten

Heute Mittag um 12 hat der neuseeländische Autor Anthony McCarten auf dem Blauen Sofa Platz genommen.

Anthony McCarten ist der Verfasser von Superhero, der Geschichte um den vierzehnjährigen, schwer leukämiekranken Donald Delpe. Der steckt mitten in der Pubertät und denkt trotz seiner Krankheit wie die meisten Jungs seines Alters ständig nur an eines: Sex. Ob es ihm gelingt sein „erstes Mal“ noch zu erleben oder ob er sich stattdessen mit den Abenteuern seines selbstgezeichneten Superhelden Miracleman zufrieden geben muss, findet man dann raus, wenn man das Buch liest. Eine Story, die einem zwar manchmal die Tränen die Wangen herunterlaufen lässt aber einen genauso häufig zum Lachen bringt, weil sie nicht in einem klebrigen Betroffenheitston geschrieben ist sondern rotzig und frech und mit viel Gefühl für ihren einzigartigen, intelligenten und kämpferischen jungen Helden.

In Englischer Harem schreibt der Autor über den iranisch-stämmigen Samaan Sahar, der in England ein vegetarisches Restaurant betreibt obwohl oder gerade weil er mit einem Vater aufwuchs, der von Beruf Metzger war. Der sanfte und freundliche Sam führt ein nach außen hin scheinbar unkonventionelles Familienleben mit mehreren Ehefrauen, so wie es im Iran nicht ungewöhnlich ist, womit er aber im prüden England auf Missfallen und ängstliche Irritation stößt. Sams  vermeintliche Vielweiberei führt zu selbstgerechten Anfeindungen und Angriffen seiner intoleranten Mitmenschen, die auf ihre Verunsicherung und Ablehnung mit roher Brutalität reagieren.

In Hand aufs Herz geht es um einen Wettbewerb, der als letzte Rettung vom Geschäftsführer eines finanziell bereits angeschlagenen Autohauses veranstaltet wird. Die Spielregel: Derjenige, der bis zuletzt die Hand an das Gewinnerauto legt, darf dieses behalten. Der Wettbewerb zieht eine Vielzahl von Bewerbern an, die alle ihre eigene Geschichte mitbringen, warum sie unbedingt den Wagen gewinnen müssen.

Mit seinem neusten Roman-Coup liegt Anthony McCarten genau auf der Höhe des Zeitgeists. Ganz normale Helden befasst sich nämlich mit Computerspielen im Internet und der damit einhergehenden Faszination und Identifikation. Betrachtet man die Figuren, die in dem Roman eine Rolle spielen, handelt es sich um eine Fortsetzung von Superhero. Der Held in diesem Buch ist der Bruder von Donald Delpe, Jeff, der nicht mehr damit zurecht kommt, welch immense Traurigkeit in seiner Familie nach dem Tod seines Bruders herrscht und der sich deswegen in die Anonymität des Internets und des Onlinespiels flüchtet.

Mit Romanen alleine hat sich Anthony McCarten aber nicht begnügt, denn er hat auch Drehbücher und vor allem Theaterstücke verfasst. Zusammen mit seinem Freund Stephen Sinclair hat er 1987 das Stück Ladies‘ Night geschrieben, das thematisch sehr dem bekannten Kinofilm The Full Monty ähnelt, der jedoch erst sehr viel später, 1997, herauskam.

Im Gespräch mit Wolfgang Herles habe ich Anthony McCarten so erlebt, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe: Unglaublich humorvoll, ein bisschen verrückt und sehr sehr phantasievoll. Seine Stehgreif-Imitation des kürzlich verstorbenen Apple Chefs Steve Jobs, in der dieser überzeugten eBook-Verfechtern DIE brandneue Erfindung –  das Buch! – anpreist, hat er mal eben locker aus der Hüfte geschossen. Werde ich nie vergessen!

Anthony McCartens Gespräch auf dem Blauen Sofa kann als Audiodatei hier noch einmal angehört werden.

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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