Wo bleibt denn nun mein Happy End? – Catherine Robertson

Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen schreibt Darrell Kincaid in Neusseland Liebesromane in Serie – natürlich immer mit Happy End. Ihr eigenes Leben ist jedoch alles andere als mit einem glücklichen Ende gesegnet. Es ist gerade einmal etwas länger als ein Jahr her, dass ihr Mann Tom mit Anfang 30 bei einem Marathonlauf an akutem Herzversagen gestorben ist. Die erste akute Trauerphase scheint Darrell eigentlich überwunden zu haben, als ihre Wut über das Happy End in ihrem neuen Roman ihr verdeutlicht, dass sie den Tod Toms bei Weitem noch nicht verarbeitet hat. Sie beschließt quasi übernacht auszuwandern, und zwar nach London. Dort angekommen scheint es zunächst eher noch schlimmer als besser zu werden. Ein fremdes Land, keine Menschenseele, die sie kennt, eine unsichere Erwerbslage – alles nicht gerade ermutigend. Doch Darrell ist eine Kämpfernatur. Sie lernt neue Menschen kennen, den einen freiwilliger, den anderen weniger und plötzlich gibt es einen kleinen Kreis um sie herum, der genauso auf sie angewiesen ist, wie umgekehrt. Am Ende scheint sogar ein zweites Happy End nicht ausgeschlossen…

Was die Figurenkonstellation betrifft, erinnert mich das Buch ein bisschen an Anna Gavaldas Zusammen ist man weniger allein. Nicht weil man den Eindruck hat, dass die Autorin abgeschrieben haben könnte, sondern wegen des aufkommenden Zusammenhaltes der Charaktere. Das tut allen und vor allem der Handlung gut. Verschlossene Menschen beginnen sich durch Darrells Kümmern langsam zu öffnen und können ihr Leben plötzlich noch einmal in Angriff nehmen. Der vornehme, zurückhaltende Claude erinnert dabei an Gavaldas Philibert.

Auf den ersten Blick denkt man bei Catherine Robertsons Buch an ein Buch, das den Liebesromanen ähnelt, die ihre Hauptfigur Darrell schreibt. So war es auf jeden Fall bei mir. Ich habe ein leichtes Buch erwartet mit deutlichem Schwerpunkt auf der Liebesgeschichte. So war es aber dann schließlich überhaupt nicht. Erwartet hat mich ein geistreicher Roman, der an vielen Stellen die literaturwissenschaftliche Vorbildung der Autorin durchblicken lässt. Geschickt erinnert sie an Konventionen des Genres um sie daraufhin sofort wieder auszuhebeln. Dabei macht Catherine Robertson sich allerdings nicht lustig oder äußert sich gar herablassend über die Sparte, sondern sie richtet einen liebevollen, amüsierten Blick darauf und schafft so ein eigenes Buch, das zwar unter anderem auch ein Liebesroman ist, aber alles andere als ein seichter. Sehr schön!

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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