Indiana – George Sand

Dies ist nicht nur der erste Roman, den George Sand geschrieben hat, sondern gleichzeitig auch der erste Roman, den ich von George Sand gelesen habe.😉

Was mir beim Lesen sehr auffiel war, dass die Autorin offenbar das Bedürfnis verspürt hat, umfassende und erklärende Vorworte zu den jeweiligen Auflagen ihres Romans zu schreiben. In diesen Vorworten sagt sie mehr als einmal, dass es nicht in ihrer Absicht gelegen habe, das System „Ehe“ zu kritisieren oder in irgendeiner Weise subversives Gedankengut zu publizieren. Zusammengenommen mit dem männlichen Pseudonym, mit bürgerlichem Namen hieß George Sand Amandine Aurore Lucile Dupin, ist es ein typisches Buch seiner Zeit von einer weiblichen Autorin verfasst, die Rechtfertigungsstrategien anwenden musste, um nicht in sozialen Verruf zu geraten, wenn sie gesellschaftliche Misstände ihrer Zeit anprangert.

Indiana hat inhaltlich eine an Effie Briest erinnernde Thematik. Eine sehr junge Frau wird mit einem älteren Mann, der sich militärisch um das Land verdient gemacht hat, verheiratet. Nicht nur wegen des großen Altersunterschiedes, sondern auch wegen völlig gegensätzlicher Charaktere ist die Ehe ein unglückliche. Die Frau Indiana flüchtet sich daraus in eine Affäre mit einem jüngeren Mann. Dieser jedoch ist ein verantwortungsloser und berechnender Lebemann.

Aufgefangen und vor dem endgültigen sozialen Absturz bewahrt, wird Indiana durch ihren Cousin und treuen Freund Ralph aus Kindertagen, der sich am Ende als der wirklich passende Lebenspartner erweist. Zunächst aber müssen harte Prüfungen bestanden werden und Indiana muss am absoluten Tiefpunkt angelangt sein, bevor ihr Leben wieder einen positiveren Verlauf nehmen kann.

George Sand portraitiert in ihrem Roman die gesellschaftlichen Etikette, thematisch bedingt vor allem in Liebesangelegenheiten, und die Rolle der Frau in Frankreich zu jener Zeit. Diese sind durchaus vergleichbar mit denen des viktorianischen Englands. Allerdings fehlt mir bei Indiana ein wenig die schriftstellerische Gewandheit eines Austen- oder eines Bronte-Romans. Dazu muss man allerdings auch sagen, dass es George Sands erster unabhängiger Roman ist, d.h. ohne die Mitverfasserschaft Jules Sandeaus, der bereits 1832 erschienen ist. Danach folgte noch eine Vielzahl anderer Werke aus der Feder der Autorin. Obgleich der Roman an einigen Stellen Längen hat und er den dramaturgischen Bogen nicht immer auf der perfekten Linie halten kann, hat mir Indiana gut gefallen.

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s