Watership Down – Richard Adams

In Watership Down von Richard Adams geht es nicht um ein militärisches U-Boot-Gefecht mit unglücklichem Ausgang für mindestens einen der Kontrahenten, wie man annehmen könnte, wenn man das Buchcover nicht vor sich hat, sondern um eine Gruppe von Wildkaninchen, die aufgrund drohender Gefahren ihren angestammten Bau verlässt. Watership Down heißt die Hügelgruppe, auf dem sich die Gruppe schließlich neu ansiedelt.

Fiver hat manchmal unvermittelte Ahnungen was die Zukunft betrifft – den sogenannten sechsten Sinn. Seine jüngste Vorhersehung betrifft eine große Gefahr, die in naher Zukunft das Sandleford Gehege heimsuchen wird. Aber auf das zarte, als übernervös verschrieene Kaninchen hört niemand. Nur Fivers älterer Bruder Hazel, der schon öfter erfahren hat, dass an den Vorahnungen Fivers zumeist etwas dran ist, schenkt ihm Gehör. Zusammen mit einigen weiteren besorgten Kaninchen machen sich die Brüder auf den Weg. Ihr Ziel: Erst einmal weit weg von der Gefahr, dann die Suche nach einem Gelände für einen neuen Bau. Später erfahren sie, dass sie gerade noch einmal mit dem nacktem Leben davon gekommen sind.

Logisch, dass ein so großes Vorhaben für Tiere, die normalerweise einen Lebensraumradius von wenigen 100 Metern haben, nicht ungefährlich ist. Hazel und die anderen müssen sich auf dem Weg vor vielen Gefahren in Sicherheit bringen. Dabei trägt jedes Kaninchen mit seinem unverwechselbaren Charakter zum Gelingen des Abenteuers bei. Hazel selbst, der besonnen die Führung der Gruppe übernimmt. Dandelion, der die besten Geschichten erzählen kann, wenn Mut und Tatkraft der erschöpften Truppe wieder aufgerichtet werden müssen. Blackberry, der Denker, der meistens einen Ausweg auch für noch so verzwickte Situationen findet und umsetzt, bevor die anderen ihn auch nur verstanden haben. Die tapferen Kaninchen schließen nach und nach auch Freundschaft mit anderen Tiere, denen der clevere Hazel einen Dienst erwiesen hat und die den Kaninchen fortan helfen. Da ist Kehaar, die Seemöwe, die „Meester Azel“ hilft, die „mudders“ zu besorgen (mehr wird nicht verraten, aber den kratzbürstigen Kehaar muss man einfach lieben).

Das Buchcover verspricht: „One of the great novels of the century“! Damit gemeint ist natürlich das letzte Jahrhundert. Was das Genre betrifft, glaube ich, dass diese Einschätzung absolut zutrifft. Watership Down ist ein komplexes, phantasievolles Tierepos, spannend erzählt, mit reichen Naturschilderungen, die den Leser, wie Monica Dickens seinerzeit in der Sunday Times schrieb, das „ground-level detail of a rabbit’s eye and ear and nose“ sehen lasse. Auch als Erwachsener fiebert man aufs Höchste gespannt mit den Kaninchen mit und hofft mit bangem Herzen, dass sie am Ende wohlbehalten am Ziel ihrer Reise ankommen und sich irgendwo in Frieden niederlassen können.

Die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte von Watership Down ist ebenfalls eine Bemerkung wert: Richard Adams hat die Geschichte seinerzeit auf einer langen Autofahrt seinen zwei gelangweilten Töchtern Juliet und Rosamond erzählt – offenbar ein voller Erfolg. Später hat er sie auf Wunsch seiner Kinder detaillierter und gut recherchiert aufgeschrieben. Auch heute schenkt so die Erzählung ihren Lesern eine wundervolle Reise in eine von Kaninchen dominierte Welt. Der Mensch taucht in der Geschichte immer nur am Rande auf, und wenn, dann als (Zer-)Störer eigenregulierten Lebens. Einzige Ausnahme: Das Mädchen Lucy, das einem Deus ex machina (so nennt Adams auch das betreffende Kapitel) gleich den in die Fänge einer Hofkatze geratenen Hazel befreit und nach einer tierärztlichen Untersuchung wieder in die Freiheit entlässt. Als Mensch jedenfalls sieht man nach der Lektüre des Buches Kaninchen mit ganz anderen Augen. Und sich selbst als der Spezies Mensch angehörend ebenfalls.

Wer das Buch genauso geliebt hat wie ich, kann noch ein bisschen im Thema verweilen:

  • Diese Webpage von Bits’n’Bob-stones zeigt u.a. die verschiedenen Illustrationen der Buchcover des Romans durch die Jahre hinweg. Wie man sieht: Buchcover können auch schön sein!😉
  • Der Watership Down Webring listet viele Fanseiten des Romans auf, ein wahres Mekka für Liebhaber des Buches. Durch weiterführende Verlinkungen entsteht ein Schneeballeffekt des Hintergrundwissens zu Watership Down
  • Schüler, die das Buch in der Schule durchnehmen sind bestimmt für diese Seite dankbar. SparkNotes gibt einen Überblick über den Roman und fasst den Inhalt seiner jeweiligen Kapitel zusammen. Aber trotzdem das Buch lesen, nä???
  • Einen Film und eine Fernsehserie gibt es auch zum Buch

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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