Buchcover: The Postmistress von Sarah Blake

Mal ehrlich, was glaubt man, welche Art Buch sich hinter diesem Cover verbirgt?

Die Titelphotographie hat mich jedenfalls fast davon abgehalten, das Buch überhaupt zur Hand zu nehmen. Das Close-up einer nett zurechtgemachten jungen Frau, im Hintergrund ein Flugzeug und dichter Rauch vor der Städtekulisse London.
Ein Szenario, das unmittelbar die Fliegerangriffe des zweiten Weltkrieges heraufbeschwört. Der Fokus liegt allerdings deutlich auf der Dame mit dem kecken Hütchen. Ich habe eine Liebesgeschichte im  Stil eines Groschenromans eingebettet in die Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts erwartet.

Was hätte ich jedoch verpasst, wenn ich es dabei hätte bewenden lassen!

The Postmistress von Sarah Blake spielt tatsächlich im 2. Weltkrieg teils in Amerika und teils in Europa. Erzählt wird von drei Frauen, deren Leben sich aufgrund der erzählten Ereignisse miteinander verbindet.

Frankie Bard, eine amerikanische Radioreporterin, berichtet aus dem von Fliegerbomben zerstörten London, um ihre Landsleute daheim für die Geschehnisse in Europa zu sensibilisieren. Als sich die Gelegenheit ergibt, reist sie mit einer mobilen Aufnahmeeinheit (ein Anachronismus, den Sarah Blake bewusst eingesetzt hat) per Zug durch Europa, um noch direkter vor Ort zu berichten. Entsetzt realisiert sie die wahren Umstände, die sich in NS-Deutschland und seinen Nachbarländern abspielen.

Derweil lebt am Cape Cod die Postbeamtin Iris, eine selbständige und geradlinige Frau um die Vierzig. Das Leben besteht für sie aus einer unverrückbaren Ordnung, in der jeder Mensch seinen bestimmten Platz einnimmt, es feste Regeln gibt und jeder einzelne zum Erhalt dieser Ordnung beiträgt, was sie selbst betrifft nicht zuletzt durch ihren Beruf. Diese Sicht der Welt gerät allerdings ins Wanken, als sie sich eines Tages dazu entschließt, einen Brief nicht zuzustellen.

Am gleichen Ort wartet Emma Fitch, die frischvermählte junge Ehefrau des Arztes, sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Gatten. Tom Fitch ist in London, um dort als Arzt zu helfen, wo er seiner Ansicht nach dringender gebraucht wird als zuhause. Dies ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Tatsächlich ringt er mit einer Schuld, von der er glaubt, sie durch einen ärztlichen Kunstfehler auf sich geladen zu haben.

The Postmistress ist ein leiser Roman. In ihm werden keine grauenhaften Bilder für die Verfolgung der Juden gesucht und angeboten. Aber genau das ist es, was es eigentlich noch viel schlimmer macht. Statt wortlosem Grauen habe ich als Leser erlebt, dass das eh Unvorstellbare auf einmal viel näher an mich herankommt, als es alle realistischen Dokumentationen mit furchtbarem Bildmaterial vermocht hätten.

Ein Detail: Sarah Blake hat ein ganz besonderes Bild in ihrem Roman gefunden, um etwas bestimmtes auszudrücken. Davon werde ich jetzt hier natürlich nichts erzählen, ich kann nur sagen, dass es für mich das gesamte Buch ausgemacht hat. Eine wunderbare, kreative Idee. Ich werde das so schnell nicht vergessen können.

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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