Vom Schlechten des Guten – Paul Watzlawick

Draußen ist es warm und schön, deswegen verbringe ich jede freie Minute an der frischen Luft. Wenn die Beiträge also im Moment etwas vereinzelt sind, bitte ich dies zu entschuldigen – ich muss einfach raus! Wer weiß, wie lange das Glück anhält!🙂

Schon lange in meinem Bücherregal und nun endlich gelesen ist Vom Schlechten des Guten eine Arbeit des gebürtigen Österreichers Paul Watzlawick aus dem Jahr 1986. Paul Watzlawick war, als das Buch erschien, 65 Jahre alt. Nach seinem Studium der Philosophie und Sprachen, promovierte er 1949 und absolvierte anschließend eine Ausbildung in Psychotherapie. Von 1960 an war er Forschungsbeauftragter am Mental Research Institute in Palo Alto in Kalifornien. Andere bekannte Arbeiten von ihm sind Wie wirklich ist die Wirklichkeit (1976), zusammen mit Janet H. Beavin und Don D. Jackson Menschliche Kommunikation – Formen, Störungen, Paradoxien! (1969) oder zusammen mit John H. Weakland und Richard Fisch Lösungen – Zur Theorie und Praxis menschlichen Wandels. (1974). Sein populärstes Buch ist wahrscheinlich sein 1983 bei Piper erschienenes Buch Anleitung zum Unglücklichsein.

Eines von Watzlawicks Steckenpferden war das Problemlösen und die damit verbundenen Vorgehensweisen. Dabei hat er oft darauf hingewiesen, dass die scheinbar logischen, auf der Hand liegenden Lösungen eines Problems nicht immer funktionieren, manchmal sogar das genaue Gegenteil vom gewünschten Effekt haben. Das, was als angebracht, gut und wirksam intendiert ist, birgt inhärent immer auch eine untaugliche, gegenläufige oder gar schlechte Seite in sich.

Watzlawick exerziert diese These in seinem Buch an dem eigens kreierten Begriff „Patendlösungen“ (mit Betonung auf „end“ gleich „nicht funktionierend“) durch. Wie immer aufschlussreich und unterhaltsam sind dabei die anschaulichen Bespiele, die er zur Untermauerung seiner Theorien findet.

An einer Stelle im Buch berichtet er z.B. von einer militärischen Situation, die sich im ersten Weltkrieg in Flandern ergab und die auf der oft lange Zeit andauernden Belagerung zweier Gegner beruhte. Damals waren die Soldaten der beiden feindlichen Lager natürlich strengstens angehalten, immer scharf auf den Gegner zu schießen, sobald sich dieser zeige. Im Laufe der Zeit ergaben sich aber ganz von selbst unabgesprochene Nichtangriffsrituale, wie z.B. das Ignorieren zweier feindlicher Spähtrupps, die „im nächtlichen Niemandsland fast übereinanderstolperten“ (S.61). Auf diese „Verlotterung der Moral“ reagierten die Heeresführungen mit strengen Erlässen und Androhungen harscher Strafen und Disziplinarverfahren, sollte jemand bei der Verbrüderung mit dem Feind erwischt werden. Watzlawick hebt an dieser Stelle besonders das Paradox hervor, dass die Sorge um die Moral der eigenen Truppe die beiden Oberkommandos theoretisch näher zusammenbrachte, da beide plötzlich das gleiche Ziel hatten, nämlich dies zu verhindern.

Es ergab sich die absurde Situation, die eine Zusammenarbeit der beiden Antagonisten zum Zwecke gemeinsamer Maßnahmen gegen dieses Übel eigentlich vernünftig gemacht hätte. Freilich kam es nicht so weit. Aber wie man sieht, sind den merkwürdigsten Verhaspelungen dieser Probleme kaum Grenzen gesetzt. (62f.)

Typisch Watzlawick, das zu erkennen. Das ist so klasse!

Und dann geht es sogar noch weiter. Die versuchte Lösung schafft nicht nur das Problem nicht aus der Welt, sondern erreicht sogar das genaue Gegenteil. Watzlawick bemerkt, dass die Truppen durch das Verbot des „leben und leben lassen“-Prinzips in ein klassisches Dilemma versetzt wurden. Entweder sie befolgten die eigenen Befehle und konnten sich der sofortigen Vergeltungsschläge des Gegners sicher sein oder sie riskierten bei Einhaltung des inoffiziellen Waffenstillstands wegen militärischen Ungehorsams vor ein Kriegsgericht zu kommen. Die Lösung für dieses Paradoxon stellte ein wiederentdecktes Prinzip aus den Zeiten des spanischen Weltreiches nach dem Motto „Se obedece, pero no se cumple“ – man gehorcht, aber man führt die Befehle nicht aus, indem man zwar auf den Gegner schießt, aber so daneben zielt, dass dieser unmöglich getroffen werden kann. Der dankbare Gegner tat dasselbe (vgl. S. 63).

Ich habe dieses schmale Bändchen sehr gerne gelesen und mich dabei wieder erinnert, wie sehr mich Paul Watzlawick schon in meinem Studium fasziniert hat. Der Autor ist am 31. März 2007 in Palo Alto im Alter von 86 Jahren gestorben.

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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