Früchte des Zorns – John Steinbeck

Trotz anfänglicher Voreingenommenheit, habe ich mich schließlich für dieses Buch entschieden. In Die Straße der Ölsardinen von John Steinbeck habe ich vor längerer Zeit schon einmal hinein gelesen und es hat mir überhaupt nicht gefallen, so dass ich es schließlich sogar ganz weggelegt habe. Aber dann dachte ich mir: „Hee, der Mann ist immerhin mit einem Nobelpreis ausgezeichnet worden!“ Und obwohl das alleine natürlich noch kein Garant für Gefallen ist, rechtfertigt es zumindest eine zweite Chance.

Die Früchte des Zorns habe ich als gebundene Ausgabe in deutscher Übersetzung von meiner Mutter geerbt. Ich weiß noch genau, dass ich das Buch als Kind immer mal wieder in der Hand hatte. Generell haben mich damals die Bücher in dem Regal im Wohnzimmer, meistens waren es Buchclubausgaben (z.B. Der Pate, Krieg und Frieden – wahrscheinlich alles, was man damals dachte, das man unbedingt im Bücherregal stehen haben sollte), sehr fasziniert. Das Jahr der Ausgabe ist leider nicht vermerkt, was vor allem darum schade ist, weil ich so auch hätte einschätzen können, aus welchem Jahr die Übersetzung stammt. Dazu aber später.

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich es in keiner Weise bereut habe, das Buch ausgewählt zu haben. Mit Früchte des Zorns hat sich John Steinbeck bei mir völlig rehabilitiert. Das Buch thematisiert den großen Zug nach Westen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in Amerika. Der Grund für diese Migration war die sogenannte „Dust Bowl“, Teile der Great Planes (Großen Ebenen) in Nordamerika, in denen damals eine Vielzahl von Sandstürmen mit sich anschließenden Dürreperioden erheblichen ökologischen und landwirtschaftlichen Schaden für die dort lebende Bevölkerung nach sich gezogen hat. Der andauernde wirtschaftliche Ausfall hat viele Farmer von dem Land vertrieben, das sie nur gepachtet hatten. Dargestellt wird diese Geschichtsepisode beispielhaft an der Familie Joad, die die große Reise von Oklahoma nach Kalifornien wagt, in der Hoffnung, dass ihnen dort, im vermuteten „land of plenty“, eine bessere Zukunft offen steht. John Steinbeck beschreibt diesen Aufbruch mit großem Einfühlungsvermögen und mit der den Menschen eigenen ländlichen und bodenständigen Sprache, in die man sich im englischen Original weitaus weniger hineinhören muss, als in die mir vorliegende Übersetzung.

Mich hat die Geschichte sehr bewegt und auch traurig gemacht, weil sie vom anfänglichen großen Hoffen über diverse Fehlschläge und Enttäuschungen letztlich die ganze Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung des Scheiterns miterleben lässt. Wenn ich mir vorstelle, wie wenig diese Leute damals hatten und wie tapfer und zuversichtlich sie dennoch waren, geht mir das sehr nahe. Erschreckend ist, dass sich gefühlt nach so vielen Jahren, mittlerweile sind mehr als 80 Jahre vergangen, nicht wirklich etwas verändert hat. Auch wenn der allgemeine Lebensstandard heute (noch) um einiges höher ist – immer noch gibt es Hungersnöte während auf der anderen Seite Lebensmittel vernichtet werden, um die Preise künstlich stabil zu halten. Immer noch wird Arbeit am liebsten an diejenigen verteilt, die bereit sind, quasi noch Geld mitzubringen um arbeiten zu dürfen. Was uns, ebenfalls gefühlt, aber fehlt, ist jemand wie ein John Steinbeck, der solche Zustände heute literarisch noch aufgreift, sie so treffend formulieren kann und damit auch noch eine große Leserschaft erreichen kann, die daran interessiert ist, darüber überhaupt etwas zu lesen.

Was mir aus technischer Sicht beim Lesen auffiel, ist die manchmal doch etwas altertümlich anmutende Übersetzung der Buchclubausgabe, die für mich doch an einigen Stellen Fragen aufgeworfen hat. Auch ohne das Jahr genau bestimmen zu können, muss die Übersetzung ja irgendwann um 1970 entstanden sein, wenn sie zu meiner Kindheit im Regal meiner Eltern gestanden hat. Wahrscheinlich ist die Verständlichkeit in deutscher Sprache in einer Ausgabe mit einer zeitgenössischeren Übersetzung besser. Letztlich habe ich die deutsche und die englische Version parallel gelesen und habe dabei einen Roman kennengelernt, der es perfekt versteht neben der allgemeinen Schilderung dieser Epoche das Schicksal einer einzelnen Familie zu begleiten. Ein tolles und wichtiges Buch, das meiner Ansicht nach nichts von seiner Aktualität verloren hat!

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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