Das persische Café – Marsha Mehran

Ich habe zugegebener Maßen eine eklatante Schwäche für Romane mit integrierten Rezepten. Dieser hier spielt in einem verlassenen irischen Städtchen, in dem die drei Schwestern Marjan, Bahar und Layla auf der Flucht vor dem totalitären Regime ihrer iranischen Heimat Zuflucht suchen. Ein bisschen wie Chocolat auf iranisch wenden sich zunächst die Einwohner von Ballinacroagh (Ba-li-na-kro :)) von den fremdartigen Gerüchen, die dem Cafe entströmen, ab. Angeheizt wird die Atmosphäre zusätzlich vom örtlichen Bierbaron Thomas McGuire, der in den neu Zugezogenen eine latente Bedrohung für sein eigenes Gastronomieimperium sieht. Doch kommt Zeit, kommt Appetit auf die himmlischen Speisen, die das Cafe und seine freundlichen Betreiberinnen anbieten und peu a peu fallen die anfangs vorhandenen Barrieren.

Begleitet von einem Rezept zu jedem Kapitelanfang entrollt sich die Geschichte, die zwar ein wenig vorhersehbar aber trotzdem gut lesbar ist. Dabei kann man sich beinahe die lieblichen Duftnoten vorstellen, welche die persischen Gerichte entfalten.
Mir ist schon lange klar, dass z.B. indische Gerichte nicht nur sättigend sind, sondern eine Wirkung auf das Gemüt des jeweiligen Essers haben. Dies hat sich spätestens durch ein Erlebnis aus meiner Zeit in Frankfurt verfestigt. Im Restaurant Zaika im hessischen Liederbach, das italienische UND indische Speisen anbietet, saß ich eines lauen Sommerabends mit meinem Mann auf der Gartenterasse. Nachdem wir uns beide nach einem köstlich indischen Essen entspannt in unsere Stühle fläzten, beobachteten wir die uns umgebenden Menschen und machten ausnahmslos eine Feststellung:

Die Gäste, die an einem Tisch italienisch gespeist hatten oder dies noch taten, waren durch die Bank weg laut und aufgeregt, gestikulierten wild mit allen Gliedmaßen und vermittelten den Eindruck einer Gänseherde, die durch einen verirrten Boarder Collie aufgescheucht wurde. Diejenigen hingegen, die dem indischen Teil der Speisenkarte zugesprochen hatten, lehnten – so wie wir selbst – entspannt in ihren Stühlen, beobachteten das Treiben um sich herum und genossen zweifellos – ebenfalls wie wir selbst – das wohlige, zuversichtliche Gefühl, das sich in ihren Bäuchen ausbreitete. Dieses offensichtlich nicht nur eingebildete Gefühl schreibt man im Allgemeinen den vielfältigen Gewürzen zu, die nicht nur ihre vorrangige Aufgabe des Würzens von Speisen wahrnehmen sondern zusätzlich eine wohltuende Wirkung auf das Gemüt eines Menschen haben. In der iranischen Küche gibt es eine Einteilung von Gerichten in „garmi“ (erwärmend) und „sardi“ (kühlend). Diese werden je nach Temperament und Gemüt eines Menschen gereicht um seine Balance auszugleichen.

Aus Das persische Café nehme ich so nicht nur eine Menge köstlich klingender Rezepte mit, sondern ebenfalls die Bestätigung eines bereits lange vorhandenen unterbewussten Gefühls.

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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