Pride and Prejudice – revisited

Menschen, die einen Klassiker zum wiederholten Male lesen, sagen oft, dass sie bei jedem Durchgang etwas Neues aus der Lektüre mitnehmen. Hört sich nach einem durchgenudelten Klischee an, stimmt aber. Und eigentlich ist es ja auch logisch. Während die Worte eines Buches gleichbleibend da sind, verändert sich der Leser über die Jahre ständig. Themen, die einem mit zwanzig noch nicht wichtig sind, gewinnen vielleicht mit sechzig Jahren an Bedeutung und umgekehrt. Die Schwerpunkte, die man bei der Lektüre setzt, verändern sich also.

Aber auch ganz banal die Aufmerksamkeit, die man auf bestimmte Passagen richtet. Eine bestimmte Referenz, die einem zehnmal entgangen ist, wird einem manchmal beim elften Durchgang plötzlich bewusst. Ein Witz oder eine bestimmte Bemerkung einer Figur dringt auf einmal durch. Als ob plötzlich ein Lichtschein auf eine vormals dunkle Stelle fiele.

Diese eigentlich normale, aber auch so bereichernde Erfahrung mache ich gerade einmal wieder bei einem meiner „comfort zone books“ Pride and Prejudice von Jane Austen. Die Handlung des Romans möchte ich hier jetzt nicht wiedergeben, die ist vielen Lesern bekannt und kann ansonsten ganz gut hier zusammengefasst nachgelesen werden. Aber mir wird beispielsweise bei jedem neuen Lesen klarer, wie bemerkenswert es ist, dass zu einer Zeit, in der es eine so große Anzahl gesellschaftlicher Etikette gab, und zudem eine sehr genaue Vorstellung darüber, wie eine Frau sich in der Gesellschaft verhalten sollte, ausgerechnet Jane Austen als Frau ihren Finger so exakt auf die gesellschaftlichen Missstände und Albernheiten ihrer Zeit gelegt hat. Wenn man es einmal in die heutige Zeit überträgt, war Jane Austen bereits eine erfolgreiche Kabarettistin, weit ihrer Zeit voraus – ein viktorianischer Volker Pispers in Frauengestalt.

Neulich ist mir zufällig ins Auge gefallen, dass Pride and Prejudice im Jahr 1813 publiziert wurde, worauf mir aufgegangen ist, dass das Buch im nächsten Jahr 200 Jahre alt wird. Ich bin jetzt schon gespannt, ob dem Roman im nächsten Jahr besondere Aufmerksamkeit zuteil wird. Bei so vielen Liebhabern, die das Buch auf der ganzen Welt hat, könnte ich mir das sehr gut vorstellen.

Einige schöne Dinge zu P&P, die man einmal ausprobieren kann (oder vielleicht schon ausprobiert hat):

  • die BBC Mini-Serie mit Colin Firth und Jennifer Ehle anschauen. Fraglos ist Colin Firth wohl für viele der „einzig wahre“ Fitzwilliam Darcy😉
  • das Buch Bridget Jones (dt. Übersetzung: hier) von Helen Fielding lesen, das sich durch einen typisch englischen Humor auszeichnet. Schönes gimmick im Roman: Bridget soll ein Interview mit Colin Firth führen, der den Mr. Darcy in der oben genannten BBC Produktion spielt. In der Verfilmung vom Roman Bridget Jones wiederum spielt Colin Firth Bridgets späteren Freund, den Anwalt Mark Darcy.
  • den Film Pride and Prejudice aus dem Jahr 2005 mit Keira Kightley und einem meiner Meinung nach überzeugenden Mr. Darcy – Matthew Mcfadyen ansehen.
  • einmal in die Librivox-Vertonungen von P&P hereinhören. Dort gibt es verschiedene Leseprojekte zu dem Roman, eine davon ist eine dramatische Lesung mit verschiedenen Sprechern.
    Librivox ist ein geniales Projekt, in dem Nutzer der Seite rechtefreie Klassiker einlesen, die dann jeder Hörer anhören kann.

Viel Spaß!🙂

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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