Bill Bryson – Eine kurze Geschichte von fast allem

Wenn ich in der Vergangenheit Texte gelesen habe, die sich in irgendeiner Weise mit unserem Universum und Sonnensystem beschäftigen, z.B. Betrachtungen des Physikers Stephen Hawking oder Bücher, die sich mit der Relativitätstheorie auseinandersetzen, habe ich jedes Mal nach spätestens fünf Minuten folgenden Effekt verspürt:

Mein Kopf verschließt sich wie eine Auster, der man die Perle klauen will und gibt mir zu verstehen: Nee duu! Da mach ich nicht mit! Du spinnst ja wohl! Wer soll sich denn sowas vorstellen können!!!

Dabei weisen die Autoren solcher Bücher oft sogar auf eben diese Schwierigkeit hin, passende Vergleiche ob der schieren Unvorstellbarkeit der Sachverhalte zu finden und machen es dennoch keinen Deut besser.

Bill Bryson, den ich wegen seiner humorvollen Art und seiner scharfen Beobachtungsgabe sehr schätze, ging das offensichtlich genauso. In der Einleitung seines Buches Eine kurze Geschichte von fast allem  erzählt er von einem naturwissenschaftlichen Buch aus seiner Schulzeit, das die Erde als Kugel zeigt, aus der ein Keil herausgeschnitten ist, der etwa einem Viertel des gesamten Gebildes entspricht. Die einzelnen Erdschichten wie die Erdkruste, der äußere und innere Mantel und schließlich der flüssige äußere Kern und der innere Kern waren in der Abbildung in die sichtbare Schnittfläche eingezeichnet. Als Junge schon hat sich der Autor darüber gewundert, dass das Buch keine der so offensichtlich auf der Hand liegenden Fragen angesichts einer solchen Zeichnung beantwortete: Woher wissen die das, das der Kern in der Mitte eine glühende Kugel aus Eisen und Nickel ist? Warum schmilzt bei einem so heißen Kern das übrige Erdinnere nicht – oder schmilzt es vielleicht doch? Warum kann man überhaupt mit den Füßen auf dem Boden stehen, wenn in der Mitte der Erde vergleichsweise eine Sonne brennt?

Fazit: Entweder werden Fragen überhaupt nicht beantwortet oder – eine geteilte Erfahrung von Bryson und mir – jemand versucht, sie zu beantworten, aber man versteht es einfach nicht. Zum einen, weil die Erklärung selbst wieder tausend Fragen aufwirft und zum anderen, weil mit solch überdimensionalen Zahlen und Größen um sich geworfen wird, dass der eigene Verstand und die Vorstellungskraft nicht ausreichen, um sie zu erfassen.

Was macht der neugierige Autor mit Köpfchen, der schon in seinen Kolumnen über Amerika mit dem Titel Notes from a big country zum Ausdruck bringt, dass er einer ist, der die Dinge begreifen will?
Er sucht sich –Zitat – „sanftmütige, geduldige Fachleute […], die bereit waren, eine Fülle außergewöhnlich dummer Fragen zu beantworten“ (S. 9f). Nachdem er das 2 Jahre gemacht hat und außerdem Unmengen an Fachliteratur zum Thema gelesen hat, geht er anschließend hin und versucht sich einmal selbst an einem Erklärungsversuch, wie das so war mit der Entstehung des Universums und all den damit zusammenhängenden Ereignissen.

Und was soll ich sagen? Ich lese jetzt schon seit mehr als zwei Stunden und meine Auster ist nicht nur nach wie vor geöffnet, sondern die Perle ruft: Los, lies weiter und hör auf zu schreiben. Das ist spannend und ich will mehr wissen!

Respect, Mr. Bryson – that’s a first!

Schönes Detail: Das Buch gibt es einmal als Hardcover „normal“ und einmal als illustrierte Ausgabe, so wie beim Da Vinci Code, nur in gut. Die Abbildungen sind toll anzuschauen und werden vom Autor alle kommentiert und erklärt. Geht doch! Mag man am liebsten ausrufen und der versammelten Wissenschaftlerelite mit auf den Weg geben, dass es nicht nur wichtig ist, Dinge selbst zu verstehen, sondern mindestens genauso wichtig, sie jemandem erklären zu können, der auch mal ab und zu an die frische Luft geht oder – man mag es kaum glauben – ins Kino oder so.

Lesen!
Und Spaß haben!

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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