[II] Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…

Der erste Beitrag zum Thema „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt“  ist nicht gerade als stimmungsvoll und beschaulich zu bezeichnen. Trotzdem gehört er meiner Meinung nach zu einem Gesamtbild dazu. Schließlich gibt es überall auf der Welt Gegenden, in denen auch in diesem Jahr das Weihnachtsfest und der Ausklang des Jahres im Angesicht von Kriegen und Unruhen bei der betroffenen Bevölkerung in den Hintergrund treten.

So erzählt dieses vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. herausgegebene Buch von Weihnachten in Jahren, in denen die Menschen einer ungewissen Zukunft entgegen blickten, da sie sich mitten im zweiten Weltkrieg oder in anschließender Kriegsgefangenschaft befanden.

Die erste Geschichte im Buch Weihnachtsgeschichten aus schwerer Zeit  handelt vom gerade mal achtzehnjährigen Hubertus Kienel, der, kaum ist er volljährig, im Winter 1943 in den Krieg eingezogen wird und der nun auf dem Weg nach Russland an die Front ist.

Der Wagen, in dem sich Hubertus und seine Kameraden befinden, wird kurz vor dem Ziel der Reise beim Dorf Apostolowo von Tieffliegern angegriffen, und die Gruppe kann sich gerade eben so aus dem Wagen retten. An eine Weiterfahrt ist vorerst nicht zu denken. Verfroren, einsam und verängstigt verbringen sie den Heiligen Abend in einem maroden Bahnwärterhäuschen, weihnachtliche Stimmung – Fehlanzeige.

Solange jedenfalls bis der Junge ein Paket öffnet, das seine Mutter ihm zum Abschied noch schnell zugesteckt hat und das er unter Einsatz all seiner Kräfte in die Hütte gerettet hat. In dem Päckchen befindet sich ein Adventskranz in Einzelteilen zum Zusammensetzen, große Würste, Weihnachtsgebäck und eine Flasche Rum mit einem Beutel Zucker. Hubertus teilt die Geschenke seiner Mutter mit den anderen und es entsteht tatsächlich so etwas wie weihnachtliche Atmosphäre, als alle zusammen sitzen und Weihnachtslieder gegen ihre Angst und das Heimweh nach ihren Lieben zuhause singen.

Die Geschichte endet damit, dass Hubertus Kienel erzählt, die Erinnerung an diesen Heiligen Abend habe ihm die Kraft gegeben, später im Krieg und danach in Kriegsgefangenschaft durchzuhalten.

Nun, könnte man argumentieren, so richtig schwer hatten es ja wohl eher die Menschen in den Ländern, gegen die deutsche Soldaten Krieg geführt haben. Schließlich waren wir Deutsche die Aggressoren im letzten Weltkrieg.

Wenn ich jedoch solche Geschichten lese, dann fällt mir ein so kategorisches Urteil schwer, denn sie berichten nicht von den Entscheidungsträgern, von denen, die mit ihrem dicken Hintern zuhause sitzen geblieben sind, während das Fußvolk die Drecksarbeit erledigen konnte, sondern von den Normalo-Menschen, von denen wie Du und Ich.

Das Problem entsteht genau dann, wenn man hinter das persönliche Schicksal des Einzelnen blickt, denn dann kann man kaum noch sagen, „Biste ja selbst schuld, warum hast du auch mitgemacht und bist in den Krieg gegangen!“
Unweigerlich kommt da die Frage auf, wie es für einen selbst ausgegangen wäre. Und vermutlich stehen die Chancen mehr als fifty-fifty, dass man ebenfalls in den Krieg gezogen wäre. Schließlich wäre man ja in dem Zeitgeist von damals aufgewachsen und hätte auch nichts anderes gekannt, wenn man nicht das Glück gehabt hätte, Kind aus einem Elternhaus mit menschenfreundlichem, liberalem und vor allem anti-nationalsozialistischem Denken zu sein.

Im Endeffekt ist jeder Mensch, der sich ängstigt, der alleine ohne seine Familie und Freunde ist, in gleichem Maße zu bemitleiden. Denn gerade die Weihnachtstage, diese ausgewiesene Zeit des himmlischen Friedens, der für alle Menschen erreichbar sein sollte, wünscht man niemandem, auf solche Art zu verbringen.

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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