An jedem neuen Morgen

Anfangs war ich mir äußerst unsicher, ob es überhaupt sinnvoll ist, dieses schmale Buch aufgrund seiner literarischen Qualität zu bewerten. Es geht in An jedem neuen Morgen um eine Trauergeschichte und die ist nicht etwa von Roger Rosenblatt erfunden worden, sondern es ist seine eigene und die seiner Familie: Seine Tochter Amy, Mutter dreier Kinder, stirbt völlig unerwartet an einem Herzversagen. Auf diese Nachricht hin, überlegen er und seine Frau nicht lange, sondern ziehen auf dessen Bitte zu Schwiegersohn Harris, um ihm im Alltag mit seinen drei kleinen Kindern im Alter von 20 Monaten bis 7 Jahren beizustehen.

Nachdem das Großelternpaar ihre 3 eigenen Kinder schon lange aus dem Hause hat, kommen nun unerwartet wieder Themen auf wie etwa „wer bekommt welche Frühstücksflocken“, Fragen des Typs „wie sind eigentlich die Nachmittage auf dem Neptun?“, die Erörterung der Vor- und Nachteile eines Gabelstaplers gegenüber einem Schaufelradbagger und die individuellen Charaktere der verschiedenen Power Ranger.

Wie soll man eine solche Geschichte besprechen? Ist es angesichts des persönlichen Leides überhaupt möglich zu sagen, das Buch sei gut oder schlecht geschrieben? Schließlich war hier ja eher das Leben als Autor am Werk.

Zum Glück macht es Roger Rosenblatt sehr leicht, dies dennoch zu tun. Denn was ich gelesen habe, ist eine liebevolle Collage, ein Kaleidoskop persönlicher Erinnerungsstücke und Anekdoten, die mit literarischer Finesse und einer guten Prise Humor, der bekanntlich dann konstatiert werden kann, wenn man trotzdem lacht, zusammengestellt sind. Im Angesicht der Katastrophe diesen feinsinnigen, intelligenten Ton zu treffen ist wahrlich meisterhaft.

Das Buch, das dabei herausgekommen ist, erzählt nicht nur davon, wie es nach dem Tode Amys möglich ist, den Krater auszufüllen, den sie hinterlässt und dabei das tagtägliche Leben (hence the title) zu meistern, sondern Roger Rosenblatt schenkt in erster Linie seiner Familie aber auch dem Leser einen einzigartigen Nachruf auf eine schmerzlich vermisste Mutter, Ehefrau, Schwester, Schwägerin und Freundin und eine Frau, die von ihren Mitmenschen sehr geliebt wurde und in Erinnerung behalten wird.

Danke Roger Rosenblatt, dass Sie das alles (mit)geteilt haben!

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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