Mörder ohne Gesicht – Henning Mankell

Bis auf eine kurze Zeit vor mehreren Jahren, in der ich mehrere Bücher von Håkan Nesser, Åke Edwardson oder auch Henning Mankell gelesen habe, bin ich eigentlich kein so unglaublich großer Freund skandinavischer Kriminalromane. Irgendwann wurde mir der Hype um dieses Genre einfach zu groß. Ich kann leider die Ausgabe nicht mehr finden, aber das Magazin hörBücher hat dieses Phänomen in einem seiner Hefte mal ganz lustig kommentiert. Nämlich dass die deutschen Leser mit ihrer Skandinavien-Krimi-Sucht mittlerweile eine ganze Gemeinde nordischer Schriftsteller am Leben erhalten, so war jedenfalls der Tenor des Ganzen.
Das Abonnement für hörBücher hat mir mein Mann übrigens zum vergangenen Weihnachtsfest geschenkt und die Hefte haben mir im letzten Jahr große Freude bereitet. Zum einen bekommt man ständig neue (Lese)Ideen präsentiert. Und zum Anderen sind auch die Rezensionen klasse. Nicht so pseudo-intellektuelle Artikel, wie sie einem manchmal im Feuilleton großer Tageszeitungen begegnen, in denen sich eher der Journalist selbst feiert statt den Autor und dessen Buch, sondern mit Bodenhaftung und vor allem eigener Meinung geschrieben.

Nach Jahren also fällt mir der Mörder ohne Gesicht  in die Hände, der erste Band der Reihe um Kurt Wallander, als ich meine neuen Bücherregale mit den Buchbeständen bestücke, die nach unserem Umzug endlich aus den Kartons hinauswollen. Gut, lesen und danach an die AWO für deren nächsten Büchertrödel geben, denke ich. Das werde ich zwar auch immer noch tun, denn noch einmal lesen werde ich den Krimi wohl nicht. Meistens fällt einem ja doch gegen Ende wieder der Ausgang ein, egal wie lange es her ist, dass man das Buch gelesen hat.
Dennoch war ich überrascht, wie behaglich solch ein Schweden-Krimi sein kann. In Mörder ohne Gesicht kommt Henning Mankell ohne den ganzen Splatter-Psycho-Folter-Voyeurismus aus, der im Moment so angesagt ist. Die Thriller, in denen jedes Verbrechen eines psychopathischen Massenmörders bis ins kleinste blutige Detail geschildert wird. Zugegeben, wenn man einmal von ihnen gecatcht ist, kann man diese Bücher kaum zur Seite legen, wenn man sich dann aber klar macht, dass ein Großteil dieser Gefangenheit die harmlose weil fiktive aber nichtsdestotrotz eigene Lust am Beobachten eines Gewaltverbrechens ist, bleibt irgendwie ein schaler Geschmack zurück.

Der Mörder ohne Gesicht ist in dieser Hinsicht viel harmloser. Das soll aber nicht heißen, dass er deswegen langweiliger ist. Im Gegenteil, statt entnommener Organe gibt es hier eine psychologische Introspektive der handelnden Personen, und auch vom eigentlichen Verbrechen abseitige Handlungsstränge, die es spannend machen, das Leben der Figuren zu verfolgen. Und ein solide konstruierter Plot. Ich würde sagen, genau das richtige für einen kaltfeuchten Herbsttag.

Mein Fazit: Machnmal darf es also ruhig mal ein Mankell sein.

Ich freue mich sehr über eure Gedanken und euer Feedback! :)

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